- Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.
Konrad Wolf – Vortrag und Filmvorführung
21. März – 19:00 bis 22:00
Konrad Wolf – sein Wirken als Mensch und als Filmemacher, seine Bedeutung für unsere Zeit
Konrad Wolf (1925 – 1982) war ein Sohn des Arztes und Schriftstellers Friedrich Wolf. Sein älterer Bruder Markus Wolf war später der langjährige Chef des Auslandsgeheimdienstes der DDR. Nach der Machtergreifung Hitlers emigrierte die Familie nach Moskau. Konrad Wolf erwarb die sowjetische Staatsbürgerschaft und kam intensiv mit dem sowjetischen Film in Berührung. Mit siebzehn trat er in die Rote Armee ein und gehörte 1945 als Neunzehnjähriger zu den Truppen, die Berlin einnahmen. Für kurze Zeit war er im April 1945 erster sowjetischer Stadtkommandant von Bernau bei Berlin. Er studierte an der Moskauer Filmhochschule. Danach arbeitete er als Regisseur bei der DEFA, wo er eine große Zahl anspruchsvoller und kritischer Gegenwartsfilme drehte. Von 1965 bis zu seinem Tod im Jahre 1982 war er Präsident der DDR-Akademie der Künste. Die lange Zeit seiner Amtsführung zeigt, dass er die Akademie mit viel menschlichem Geschick und inhaltlichem Erfolg leitete. Die Beschäftigung mit seinem Leben und seinem filmischen Schaffen leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung und kritischen Würdigung des DDR- Systems und ist damit – über die packende Handlung seiner Filme hinaus – bis in die heutige Zeit relevant und bedeutsam.
Obwohl Konrad Wolf die DDR als menschliche und politische Heimat betrachtete, wurden nicht alle seiner Produktionen im Kino oder im Fernsehen aufgeführt. Eine ganze Reihe davon wurde erst nach der „Wende“ einem größeren Publikum zugänglich. Trotzdem – und vielleicht gerade deswegen – genießen viele dieser Filme bei gebürtigen DDR-Bürgern bis heute Kultstatus. Dieter Korczak zeigt heute den Film „Sonnensucher“, der aus dem Jahr 1958 stammt. Es geht um eine kritische Darstellung des Uranbergbaus der SDAG Wismut sowie um Konflikte zwischen der sowjetischen Betriebsleitung und den deutschen Arbeitern. Wie in vielen Filmen Konrad Wolfs bildet also letztlich die Stellung des Individuums in der Gesellschaft die thematische Basis. Er verarbeitete hier stilistische Anregungen aus dem italienischen Neorealismus (Rosselini, Visconti, de Sica) und greift die Atmosphäre der Tauwetterperiode in den späteren 50iger Jahren auf. Das Ergebnis behagte den staatlichen Kontrollbehörden nicht, viele Szenen mussten umgeschrieben und nachgedreht werden. Erst 1972 wurde der Film im Kino gezeigt.
Biografische Angaben zu unserem Referenten:
Dieter Korczak (* 1948) ist ein deutscher Soziologe und Sachbuchautor. Nachdem er 1973 an der Universität Köln das Diplom erlangt hatte, promovierte er 1978 zum Doktor der Soziologie und füllte Positionen u. a. bei Reemtsma, TNS Infratest und dem Forschungsinstitut für Soziologie der Universität Köln aus. 1985 gründete er in München das sozialwissenschaftliche Institut für Grundlagen- und Programmforschung. Korczak war langjähriger Vorsitzender (1997–2017) der Interdisziplinären Studiengesellschaft (ISG) in München. Er war als Gutachter am 1., 2. und 3. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beteiligt. Seit 2022 ist er als Berater der Europäischen Union tätig. Außerdem arbeitet er als Vortragsredner, Autor, Sachverständiger und Gutachter, Aufsichtsrat und Mediator. Er trat im Laufe der Jahre mit einer großen Anzahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen zu verschiedenen Aspekten des sozialen Lebens hervor.
